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1. Tag Pjöngjang

Die erste Überraschung ist das Flugzeug: eine nagelneue Tupolev (Juli 2008). Die Maschine ist zu zwei Dritteln besetzt und muss schwer am Gepäck schleppen, denn vor der Zollkontrolle türmten sich riesige Gepäckmengen. Nordkoreaner, die ausreisen durften, kommen mit vielen Dingen heim, die man in Nordkorea wahrscheinlich nicht kaufen kann.

  • Schon am Vortag hatten wir festgestellt, dass rund um die Nordkoreanische Botschaft viele Läden sich auf Nordkoreaner eingestellt hatten. Alle Plakate und Schilder waren auf Koreanisch.

Im Flugzeug gibt es nur Alkoholfreies, aber das Essen ist vielfältig und gut. Da kann der deutsche Marktführer noch viel lernen. Aus dem Fenster sieht man ein Problem: viele Wälder sind abgeholzt worden, weil das Holz zum Bauen oder Heizen gebraucht worden ist. Das ist ähnlich wie bei manchen Ländern in Südeuropa.

 

Ankunft in Pjöngjang

Das Flugfeld des Flughafens Pjöngjang ist riesig, aber das Flughafengebäude ziemlich heruntergekommen (inzwischen soll ein neues Flughafengebäude in Betrieb genommen worden sein). Die Toilette vor der Einreisekontrolle hat Papier, aber das Wasser funkioniert nicht. Die Toiletten hinter der Kontrolle sind sehr viel schöner, das Wasser funktioniert, aber es gibt kein Papier.

  • Für mich ist die Einreise unproblematisch. Das Gepäck wird nicht durchsucht, aber das Handy muss gegen Quittung abgegeben werden. Der tragbare Computer wird darauf untersucht, ob er ein GPS-Modul enthält. Unser Delegationsleiter hat es schwerer. Er hat zwei tragbare Computer dabei. Das ist verdächtig. Einer wird erst nach nebenan getragen, dann abtransportiert. Wir müssen rund 90 Minuten warten - aber nicht allein, denn unsere Dolmetscherin hat uns schon erwartet.

Eigentlich brauchen wir keinen Dolmetscher, aber ihre Aufgabe ist es, auf uns aufzupassen. Frei bewegen soll man sich nämlich nicht und für vieles benötigt man eine Genehmigung. Deshalb wohnt sie im selben Hotel wie wir.

Die Fahrt vom Flughafen (rund 20 km) zeigt einen Teil des Landlebens. Viele Menschen sind zu Fuß unterwegs, auf den Feldern sieht man vereinzelt Ochsenkarren. Die Häuser machen einen sehr einfachen Eindruck.

In Pjöngjang gibt es dagegen eher mehr Autoverkehr als ich erwartet hatte. Es gibt Ampeln, aber die sind nicht in Betrieb. Statt dessen regeln schöne Politessen den Verkehr mit genau einstudierten Bewegungen. Es gibt heruntergekommene Viertel, sozialistischen Plattenbau, aber auch neue, ganz moderne Gebäude wie in vielen anderen Städten auch.

Das Koryo Hotel ist luxoriös und riesig. In seinen beiden Türmen beherbergt es 500 Zimmer, Schwimmbad, Sauna, Freizeiteinrichtungen, mehrere Restaurants, zwei Läden. Es gibt sogar eine Mikrobrauerei dort und eine eigene Stromversorgung. Es fehlen nur die Gäste. Im Laden gibt es auffallend viele deutsche Süßigkeiten, französische Waschmittel und deutsche und japanische Technikartikel. Die Preise sind in Euro ausgezeichnet.

Zunächst gibt es eine Besprechung mit unserer Dolmetscherin wegen des Programms für unseren Aufenthalt.

 

Im Euro-Bistro

Es ist Dienstag Abend. Dienstags findet immer ein Treffen von Entwicklungshelfern und Diplomaten in der EU-Vertretung im Diplomatenviertel statt. Das Treffen ist sehr beliebt, denn zum Ausgehen gibt es in Pjöngjang wenig Möglichkeiten. Einer holt uns ab. Es gibt Bratwurst mit Reis. Die Bratwurst stammt vom deutschen Metzger in Peking, leider ohne Senf.

Zum Treffen fahren wir ganz ohne Aufpasser. Ein Entwicklungshelfer holt uns ab mit einem Uraltauto. Moderne Autos seien in Nordkorea nicht zu reparieren wegen der Elektronik, erklärt er uns. Er erzählt uns auch, wie schwierig es gewesen sei, das Auto zu importieren und zuzulassen. Das erinnert dann an die Heimat und Reinhard Mey´s Lied vom "Antrag auf ein Antragsformular". Aber immerhin: eine Hauptuntersuchung (TÜV) oder eine Umweltplakette braucht es nicht. In Nordkorea darf fahren, was noch fahren kann, wie wir hier sehen können.

 

Fotos: Dr. Bernd Selter, Harald Schicke




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