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2. Tag Pjöngjang

 

Der Frühstücksraum ist riesig und sehr schön gestaltet, aber menschenleer. Das Frühstück ist überschaubar. Man kann wählen zwischen Spiegelei, Omelette und gekochtem Ei. Dazu gibt es Joghurt, Toastbrot, Kaffee, Schwarz- oder Grüntee und Wasser. Der Joghurt komme aus einem Entwicklungshilfeprogramm erläutert der Seminarleiter.

 

Das Seminar

Die Vorträge finden im Kulturpalast statt. Das Wort "Palast" ist keine Übertreibung. Das Haus ist so riesig wie ein sehr großer Palast. Am Eingang werden wir schon von der Hausherrin empfangen, die uns zu unserem Vortragssaal geleitet. Es ist ein weiter Weg durch das Gebäude.

Die Leinwand im Saal darf nicht in der Mitte aufgebaut werden, denn dann würde sie die Porträts von Kim Il-sung und Kim Jong-il verdecken, dem Großen und dem Geliebten Führer.

Das Interesse an meinem Seminar ist sehr groß. Statt der erwarteten 35 Teilnehmer sind 75 gekommen. Es sind Mitarbeiter von Firmen, die mit Ginseng oder Kräutern handeln, aber auch von verschiedenen Ministerien. Die Firmen sind immer staatlich. Trotzdem gibt es viel Rivalität zwischen ihnen.

Zwei Dolmetscher sind anwesend, die sich während meines Vortrages ablösen. Im Gegensatz zu meinen Erfahrungen aus Südkorea lächelt kaum jemand. Alle schauen ernst und ernsthaft. Fragen werden keine gestellt. 

Auch wenn wir die Handys abgeben mussten: In Nordkorea gibt es zwei Netze, eins für In- und eins für Ausländer. Tatsächlich klingeln einige Handys während meines Vortrags. Das müssen Funktionäre sein, denn Handys sind so teuer, dass sich ein einfacher Bürger keines leisten kann.

Mittags fahren wir mit den Dolmetschern ins Hotel und essen dort mit ihnen. Es sind die einzigen, mit denen wir ein wenig privat sprechen können. Sie haben kein Handy, weil es zu teuer ist. Ein Handy (Auslaufmodell) kostet rund 340 Euro und etwa 5 Euro pro Monat. Das sind astronomische Summen für "einfache" Genossen.

 

Restaurantbesuch am Abend

Abends besuchen wir ein Restaurant in der Nähe des Hotels. Hier gibt es alles. Auf unseren Fahrten durch die Stadt haben wir auch viele Läden gesehen, die gut gefüllt erschienen. Mangel gibt es hier offensichtlich nicht. Auf dem Land soll es aber ganz anders sein. Fraglich ist nur, wer sich das leisten kann.


Abends in der Bierbar des Hotels

Zum Abschluss des Abends besuchen wir die Bierbar des Hotels. Das Bier in Nordkorea ist wesentlich besser als das in Südkorea. Es ist besser gehopft und hat einen schönen und stabilen Schaum. Hier ist Deutschland wohl das Vorbild, denn Nordkorea hatte gute Beziehungen zur ehemaligen DDR, von der die Bundesrepublik auch die Nordkoreanische Botschaft geerbt hat. Das Bier in Südkorea orientiert sich am schlechten US-Vorbild (kein Schaum, süßlich-scheußlich aus deutscher Sicht).

Auch das Flaschenbier ist sehr gut. Ich probiere Taedonggang (das ist der Name des Flusses, der durch Pjöngjang fließt).

 

Fotos: Dr. Bernd Selter, Harald Schicke




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